zurück  

Die Kapelle in Heide

Albert Salgert
Vortrag anlässlich des 75 jährigen Bestehens des HV Birk am 3.9.1995
nach Unterlagen von Heinrich Hennekeuser

Der Ort Heide wurde durch seine vorgeschichtlichen Funde aus der mittleren Steinzeit früh bekannt. Hatten wir doch in Peter Orth aus der Heidestraße einen exzellenten „Sucher“ und „Finder“ dieser Werkzeuge und Kleinstgeräte.

Die damals in ärmlichen Verhältnissen lebende Bevölkerung wurde vom Kirchdorf Birk so etwas von der Seite angesehen, was sie doch sehr bedrückte, denn wie wäre anders zu erklären, das der Wunsch nach einem Kapellchen bzw. Andachtsstätte immer größer wurde.

Im Jahre 1734, als die Jesuiten aus Geistingen in Birk eine Mission abhielten, benutzten sie die Gunst der Stunde, um ein bereits angefertigtes Kreuz von den Missionaren benedizieren zu lassen.

Das Kreuz, übrigens das älteste Holzkreuz unserer Region, trägt die Inschrift:

CRUX IN S. MISSIONE BENEDICTA ANNO 1734

Da das Kreuz jedoch in freier Flur stand und stets der Witterung ausgesetzt, beschloss man, eine kleine Holzkapelle zu seinem Schutz zu errichten. Unter Holzkapelle verstehe ich ein Fachwerkgefüge mit Lehm ausgefacht.

Mit dem Bau begann aber auch der Kampf um die Legalität der Kapelle. Die Initiatoren des Baues, Christian Knott vom Schiefelhof und Wimar Roth vom Siefen (heute bewohnt das Haus eine Familie Quaback. Frau Quaback ist eine Nachfolgerin des W. Roth, im heutigen Sterntalerweg) hatte nämlich weder die Genehmigung der Behörde, noch die der kirchlichen Instanzen eingeholt.

Der Lohmarer Pfarrer Delhaes, dem auch die Filialkirche in Birk unterstellt war, berichtete an das Generalvikariat in Köln, dass in seinem Kirchspiel genügend Kirchen und Kapellen vorhanden seien und daher kein Handlungsbedarf bestünde, die Kapelle zu benedizieren. Außerdem dürfte die Kapelle bald zerfallen, da sie aus Holz gebaut wäre.

Auch die Herren Johann Griefrath, Kirchspielschultheiß, Steffen Klein, Geschworener und Hermann Bommels, Kirchmeister, vertraten unter dem Datum vom 10.10.1735 an den Erzbischof und Kurfürsten zu Köln, Clemens August von Wittelsbach die Ansicht von Pfarrer Delhaes.

Die Antwort des Erzbischofs vom 31.10.1735 erlaubte zwar den Verbleib der Kapelle, verbot aber, darin Messen oder sonstige  Andachten zu halten. Wer belastet sich schon gerne mit Mehrarbeit? Auch die Pfarrer bilden hier keine Ausnahme.

Hatte Pfarrer Delhae Recht? Denn schon 1830 war das Dach der Kapelle derart baufällig, dass eine Reparatur ganz erhebliche Kosten verursacht hätte.

So entschlossen sich die Bürger, allen voran der Kirchenrendant Jakob Roth – ein Nachfahre des Wismar Roth – zum Abriss der Holzkapelle, um einen massiven Neubau zu erstellen. Der Besitzer von Gut Umschoß lieferte kostenlos die Steine aus seinem Bruch, aber schon sein Nachfolger untersagte eine weitere Abfuhr. So mussten ca. 40 % Bruchsteine aus einem Bruch im Lohmarerwald geholt werden. Die Bevölkerung sammelte Geld und Jakob Roth stiftete einen beträchtlichen Teil seines Vermögens, um den Bau zu realisieren.

Da zu der Zeit in Heide 132 Personen wohnten, mussten große Opfer gebracht werden, um den Neubau in den Jahren 1843 – 45 durchzuführen.

Nachdem Dr. Heinrich Aumüller Pfarrer in Birk wurde (1852 – 1874), übernahm er das bisher im Stillen gepflegte religiöse Brauchtum. Von ihm ging auch die Anregung aus, am Karfreitag, später am Palmsonntag eine so genannte „Römerfahrt“ von Birk nach Heide durchzuführen, die aber leider nach dem II. Weltkrieg in Vergessenheit geriet.

Im Pfarrarchiv Birk ist unter Nr. 29 nachzulesen, dass Jakob Roth am 21. Sept. 1862 die Kapelle der Pfarre Birk als Schenkung übertrug. Am 3. Dez. 1868 benedizierte Pfarrer Aumüller unter Assistenz von Vikar Peter Heinrich Jansen die Kapelle, die dem Heiligen Franziskus Xaverius gewidmet wurde.

Wegen der umfangreichen Umbau- bzw. Erweiterungsarbeiten an der Birker Kirche war kein Geld mehr für Heide vorhanden und so mussten die Bewohner von Heide wieder mal zur Selbsthilfe schreiten, um den bis dahin vorhandenen Dachreiter im Jahre 1900 durch einen Turm zu ersetzen. So entstand der noch in seiner Form heute bestehende Zwiebelturm nach ungefährer „Bayrischer Art“. Die Birker Bevölkerung hatte auch sofort einen passenden Namen parat, nämlich „Pfefferstreuer“ oder mundartlich ausgedrückt „Pefferdoos“, ob seiner acht Schalllöcher.

Eine ausführliche Beschreibung der Kapelle finden Sie in einer Dokumentation von Heinrich Hennekeuser „St. Franziskus Xaverius Kapelle Heide“ vom November 1985.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

▲   nach oben